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Digitaler Optimierungswahn

von Mathias

„Dafür gibt es eine App- die solltest du dir unbedingt runterladen! Die App erleichtert dir das Leben, damit kannst du dein Ziel viel besser und vor allem schneller erreichen. “ Sätze, die jeder schon in irgendeiner Form gehört hat.

Doch halt, sind diese elektronischen Helfer auch wirklich Helfer oder doch eher persönliche Diktatoren im Taschenformat, denen wir uns auch noch freiwillig unterwerfen?

Ich kenne es besonders gut aus dem Fitnessbereich. Gebt doch einfach mal im Appstore das Wort „Fitness“ ein und seht, wie viele Apps ihr vorgeschlagen bekommt. Na, schon den Überblick verloren? Die Zeit, nach Apps zu suchen, hättet ihr schon für eine Runde Joggen nutzen können!

Mir kommt es oft so vor, als könnte man seine Ziele ohne entsprechende App gar nicht mehr erreichen. Wie haben wir es denn früher gemacht? Ging doch genauso.

Trainingsplan hier, Trainingsplan dort, hier noch ein paar Prozent mehr, dort noch ein paar Daten eingegeben und schon geht alles von selbst. Ein Notizbuch mitnehmen, oder ein sogar einen Terminkalender besitzen gilt als total altmodisch – ja, man wird gar schief angeschaut, wenn man den Stift zieht, um sich was händisch aufzuschreiben. So ging es übrigens meiner Freundin als sie in der Mittagspause die Geburtstage ihrer Freunde in den zellulosehaltigen Terminkalender eingetragen hat. Blöde Kommentare garantiert. „Hast du kein Handy?“ Frag mal Oma, die weiß Geburtstage sogar ohne Stift und Papier, denn sie hat gelernt ihren Kopf zu benutzen.

Es gibt eine App die deine Trinkgewohnheiten optimiert, eine App die dir sagt wie viel du heute noch essen darfst, und eine App die dir sagt wie du deine Zeit, die du zum schlafen hast, optimal nutzt. Möchtest du wirklich so fremdbestimmt „leben“?

Wie waren wir denn überhaupt früher lebensfähig? Trinken wenn man Durst hat, essen wenn man Hunger hat und schlafen wenn die Müdigkeit kommt. Sicher hat alles eine gewissen Daseinsberechtigung und auch unbestritten einen Nutzen. Aber die Abhängigkeit zum digitalen Begleiter wächst einfach immer mehr – und das mittlerweile in durchaus bedenklichem Ausmaß. Ohne Runtastic zum Laufen gehen und den Erfolg nicht auf Facebook posten? Undenkbar. Was du nicht auf Facebook postest, ist schließlich auch nicht passiert.

Hör nicht auf dein Handy. Hör auf deinen Körper, deinen Kopf. Höre auf DICH – denn das macht Leben aus.

Over and Out.

Lesetipp: Ein sehr spannendes Buch, das sich mit der Thematik der immer größer werdenden Bedrohung künstlicher Intelligenz befasst, findet ihr hier.

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